Nationalpark-Gemeinde Leisel (Nationalpark Hunsrück-Hochwald)

Charakterstark

Momente

Newsletter

leiseler-sommer

Nahe Zeitung DONNERSTAG, 24. SEPTEMBER 2020, von Axel Munsteiner

Leiseler kaufen wieder beim „Schmitze Karl“
In der Ortsmitte steht nun ein Verkaufsautomat, von dem die Lokalpolitiker sagen: „Das ist unser neuer kleiner Dorfladen“

„Schmitze Karl“ hieß in Anlehnung an den Namen des Besitzers im Volksmund das letzte Lebensmittelgeschäft, das es im Nationalparkort Leisel gab. Viele Jahre nach dessen Schließung feiert „Schmitze Karl“ nun ein Come- back – und zwar in Form eines so getauften Verkaufsautomaten, den die Verantwortlichen der Gemein- de als „unseren neuen kleinen Dorfladen, der sieben Tage die Woche an 24 Stunden geöffnet ist“, bezeichnen. Am Dienstag hat der ortsansässige Schreiner Günter Storr mit seinen Kollegen letzte Hand angelegt, um eine überdachte Holzkonstruktion fertigzustellen, die künftige Kunden des auf dem Dorf- platz postierten Automaten vor Wind und Wetter schützen. Dessen Standort in der Mitte des mit knapp 600 Einwohnern viert- größten Dorfs in der VG Birkenfeld ist bewusst gewählt. Der Platz ist nicht nur Treffpunkt für Einheimische, sondern beispielsweise auch für Wanderer. Von dort startet das unter dem Motto „Fan4“ ausgeschilderte Wegequartett rund um Leisel.

Wer vor dem Gerät steht und durch die Glasscheibe schaut, erkennt das vorhandene Warensortiment. „Wir achten dabei darauf, dass wir auch eine Reihe an regionalen Produkten anbieten“, betonen Ortsbürgermeister Karl-Heinz Bittig, sein designierter Nachfolger, der Erste Beigeordnete René Dietrich, und Ratsmitglied Harald Dietrich unisono. Letzterer ist für den Ein- kauf der Waren zuständig. Deren Palette reicht von Bier aus Kirn über Spießbraten von Metzger Armin Veek aus Niederbrombach und Wildspezialitäten von Händler Klaus Bohrer aus Leisel bis hin zu Flammkäse vom Bornwiesenhof in Hußweiler. Wer möchte, kann sich aber beispielsweise auch mit einer Tüte bunter Bärchen einer be- kannten Firma aus Bonn oder einer Tafel Schokolade in lila Verpackung versorgen. Sowohl kontaktlos mit Karte als auch per Einwurf von Münzgeld kommen die Kunden von „Schmitze Karl“ nach Zahlung des ent- sprechenden Preises an die Naturalien ihrer Wahl heran. Sie müssen vorher nur auf einem Tastenfeld die Nummer eingeben, die unter dem jeweiligen Produkt steht. Wenige Sekunden später liegt die Ware unten in der Ausgabeklappe des Automat. Dieser steht schon seit einigen Tagen auf dem Dorfplatz, „und die Resonanz hat uns wirklich positiv überrascht“, betont Harald Diet- rich, der nun schon mehrfach ein- kaufen war, um das Gerät nachzufüllen. Auch Ortschef Karl-Heinz Bittig erklärt: „Ich muss sagen: Es flutscht richtig.“ Dabei bekennt er offen, dass er selbst anfangs skeptisch war, als im Rat über die Anschaffung des Automaten durch die Gemeinde diskutiert wurde. „Immerhin ging es um eine Investition von fast 20 000 Euro“, so Bittig. Die Idee hatte Ratsmitglied Thomas Petsch, der Besitzer der Kleinen Dorfwirtschaft (KDW), ins Rollen gebracht. Er ist auch Inhaber einer großen Edelsteinfirma in Kirschweiler, und dort steht neben dem Restaurant Kirschweiler Brücke schon einige Zeit ein baugleicher Lebensmittelautomat, der prima angenommen wird. Seinen Vorschlag, ein solches Gerät auch für Leisel zu kaufen, konnte Petsch letztendlich der Mehrheit des Rats „schmackhaft machen“, sagt Bittig, der angesichts des Zuspruchs für „Schmitze Karl“ überhaupt nichts dagegen einzuwenden hat, dass er eines Besseren belehrt wurde.

„Der Automat ist nicht nur für die Notversorgung der Einheimischen gedacht, wenn was beim nor- malen Einkauf vergessen wurde und etwa mal kurzfristig Grillgut benötigt wird, sondern auch Wan- derer und Radler haben nun eine Anlaufstelle mit Verpflegungsmöglichkeiten und können das gleich zu einer Rast auf dem Dorf- platz nutzen“, sagt René Dietrich. Bis Anfang Oktober läuft vorerst noch der Testbetrieb. Es werden al- so weiterhin Erfahrungen gesammelt, welche Produkte sozusagen weggehen wie warme Semmeln und welche sich eher als Ladenhüter entpuppen. „Danach werden wir entscheiden, was wir im Sortiment lassen oder was wir vielleicht auch neu anbieten sollten“, sagt Harald Dietrich. Im Winter gibt es andere Waren Er weist zudem darauf hin, dass bei „Schmitze Karl“ Flexibilität und Kundenwünsche groß geschrieben werden sollen. „Natürlich werden wir unser Warenangebot je nach Bedarf auch abändern und zum Beispiel auf die Jahreszeit abstimmen. Wenn es Winter wird, liegt dann also vielleicht beispielsweise anstelle von Spießbraten Packungen mit Lebkuchen oder Spekulatius im Automaten“, sagt Harald Dietrich schmunzelnd.

Nahe Zeitung DONNERSTAG, 24. SEPTEMBER 2020, von Axel Munsteiner