Nationalpark-Gemeinde Leisel (Nationalpark Hunsrück-Hochwald)

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Nahe Zeitung vom Mittwoch, 24. Oktober 2018

Althippie trifft auf Ex-Piloten
Dorf-TÜV des Varieté Saalü nahm Leisel ganz genau unter die Lupe

In diesen Tagen ist das Heimatvarieté Saalü in unserem Kreisgebiet schon fast im Dauereinsatz, nach Oberreidenbach und vor Berglangenbach am kommenden Samstag hat der „Dorf-TÜV“ am vergangenen Wochenende Leisel kritisch unter die Lupe genommen und auf dessen Zukunftsfähigkeit untersucht. Und obwohl Ortsbürgermeister Wolfgang Schüßler kategorisch verkündet hat, „Am 26. Mai is Zappe!“, ist am Ende der Veranstaltung doch niemanden mehr bange um die Zukunft des Ortes – denn die Leiseler erwiesen sich an diesem Abend nicht nur als prachtvolles Publikum, sondern präsentierte sich auch als überaus liebenswertes und kreatives Dorf.

Der Dorf-TÜV war wie stets mit drei Kräften angereist: der ministeriell beauftragte Oberprüfer Wolfgang Müller, der zwar erst einen etwas steifen Eindruck machte, dann aber nach ein paar Gläschen Leiseler Wein rasch lockerer wurde; sein Assistent und Aktenträger Mark Welte, ein Mann der Zahlen und Statistiken, aber auch der unerwarteten und nicht immer eleganten Temperamentsausbrüche; und nicht zuletzt die liebeshungrige Charla Drops, die sich in ihrer nunmehr 30-jährigen Praktikantentätigkeit eine Unzahl von Fähigkeiten vom Flamencotanz bis zum Schmettern von Opernarien hatte aneignen können.

Als typisch-untypischer Dorfbewohner war der bekannte Ofenbauer Stefan Dehn nach seiner Motivation befragt worden, sich ausgerechnet in Leisel niederzulassen. Der war nämlich genau wie seine Mitstreiter als langhaariger Hippie durchaus misstrauisch beäugt worden, bis die Dorfbewohner mit einem gewissen Respekt feststellen mussten: „Schaffe könne die jo!“ Aber wer hätte gedacht, dass für den Ökofreak ausgerechnet die straffreie Entsorgung von Müll am Dorfrand den Ausschlag gegeben hatte. Aber auch Schüßler, als ehemaliger Bundeswehrplot immerhin auf Recht und Ordnung vereidigt, hatte so seine Leichen im Keller. Denn wie war es wohl gekommen, dass der flotte Sportwagen des Wirts der Vereinshalle an einem schönen Sonntag so fein säuberlich vor der Hallentheke abgestellt war?

Was aber die Dorfprüfer weitaus mehr überzeugte als die früheren Eskapaden des Ortsbürgermeisters und seines Gemeinderatsmitglieds waren die künstlerischen uns sonstigen Leistungen, die die Leiseler auf ganz unterschiedlichen Gebieten erbrachten. So berichtete Richard Schwarz davon, wie er vor rund 40 Jahren den Umbau des früheren Dreschschuppens in die Vereinshalle organisiert und geleitet hatte. Die Leiseler Kläppergarde bewies in einer furiosen Nummernrevue, was man mit seinen Händen und Füßen alles anstellen kann und warum sie unverzichtbarer Bestandteil bei allen Festivitäten ist.

Der gemischte Chor des MGV Leisel brachte mit seinen Darbietungen ordentlich Stimmung in den Saal und präsentierte in Welturaufführung gemeinsam mit dem Saalü-Team das ergreifende Lied „Heimat“, das mit einigen Slapstickeinlagen garniert wurde. Und dass Leisel auf dem besten Weg ist, zu einem Klein-Hollywood zu werden, demonstrierte das Double-K-Filmteam mit einem 14-minütigen überaus skurrilen Streifzug durch fast vergessene Örtlichkeiten Leisels. Da konnten letztlich auch die zugezogene Dorffriseurin Sandra Heidrich und die Kulturaktivistin Bianca Groß nur bestätigen: Leisel lohnt sich!

Nahe Zeitung vom Mittwoch, 24. Oktober 2018, von Jörg Staiber