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Nahe Zeitung vom Mittwoch, 10. Mai 2017

Junge Riesen sollen Schädlingen trotzen
NationalparkBesondere Zöglinge wurden nun bei Heiligenbösch vorgestellt – Gepflanzt wird in einigen Jahren

Eine kleine Gruppe geladener Offizieller traf sich an der evangelischen Pfarrkirche Heiligenbösch, um Landrat Matthias Schneider und Michael Fuchs von der Baumschule Fuchs GbR in Idar-Oberstein nachgezogene junge Bäume aus der Region zu übergeben. Die Nachzuchten geschichtsträchtiger Bäume wurden von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz (FAWF) in Auftrag gegeben.

Im Namen der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz begrüßte Metke Lilienthal Gastgeberin und Pfarrerin Christiane Bock von der evangelischen Kirchengemeinde Leisel und Pfarrgemeinde Heiligenbösch, die Pressereferentin des Kreises Birkenfeld, Silke Haller, den Beigeordneten der Ortsgemeinde Schwollen, Wolfgang Müller, Ortsbürgermeister Wolfgang Schüssler (Leisel) sowie Patrick Lemmen von der Forschungsanstalt Trippstadt und Hans-Joachim Werner von der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung Birkenfeld.

Landrat Schneider betonte den Wert der Bäume für den Nationalpark und wurde ein wenig sentimental angesichts des imposanten Baumgiganten, vor dem die Übergabe stattfand: Die denkmalgeschützte Ulme ist gut 200 Jahre alt, und auch die geschichtsträchtigen zwei Linden in direkter Nähe prägen das Landschaftsbild ebenso wie die historische Stätte. Derartige Bäume seien ein Fundus der Nachhaltigkeit und durchaus geeignet, zum Nationalpark-Denkmal zu werden.

Im Schatten ihrer Ahnen wurde getanzt, Gericht gehalten oder die Liebe des Lebens besiegelt, beschreibt die Stiftung in ihrer Pressemitteilung die historische Verbindung der alten Baumriesen zu den Gemeinden. Hans-Joachim Werner von der Naturschutzbehörde freute sich über die erfolgreiche Nachzucht der Heiligenbösch-Ulme, die nur durch eine Pfropfung möglich war, da sie ohne Partnerbaum selbst nicht saatgutfähig werden kann. Die Jungulmen sollen gegen den Ulmenschädling resistent gemacht werden. Da seien die ein- bis zweijährigen Bäumchen bei der Baumschule Fuchs in guten Händen, deren Gärtnerei seit mehr als 80 Jahren in der Region verwurzelt ist. Wettereinflüsse wie der jüngste Spätfrost hätten zwar selbst im Gewächshaus leichte Blattschäden verursacht, und zukünftige klimatisch bedingte Ex-tremwetterlagen seien Unwägbarkeiten, aber man hoffe, die bisherigen Aufzuchten auch für die späteren Freilandpflanzungen nutzen zu können.

Insgesamt rund 300 der jungen Riesen, die nicht zuletzt aufgrund ihrer Seltenheit, Eigenart und Schönheit als Naturdenkmale unter besonderem Schutz gestellt sind, wurden von Baumexperten der FAWF über Samen- und Stecklingsvermehrung nachgezogen. Mehrere Pflänzchen ausgewählter Baumriesen wie Stieleiche, Traubeneiche, Mammutbaum, Linde und Bergulme werden nun von Michael Fuchs und seinem Team aufgeschult und sind voraussichtlich ab Herbst 2018 zu erwerben. Unter den Nachzuchten befinden sich auch die Nachfahren der Friedenseiche der Stadt Idar-Oberstein, einer Moorbirke aus Börfink, einer Vogelkirsche von der Burg Birkenfeld sowie Stecklinge von den alten Ilex am Ringkopf. Das Erbgut dieser alten Riesen soll langfristig erhalten und die Menschen am Ort sollen über die Bedeutung dieser besonderen Bäume informiert werden.

Ortsbürgermeister Schüssler schlug vor, eine geschlechtsfähige Ulme in der Nähe zu pflanzen, die jedoch aus anderem Erbgut gezogen werden müsste als das der Ulme von Heiligenbösch. Pfarrerin Bock wüsste auch schon ein Plätzchen am hinteren Ende des Friedhofs, wo sie ein Mammutbäumchen pflanzen könnte. Man müsse halt noch die Bodenbeschaffenheit prüfen, damit die Anpflanzung auch erfolgreich verlaufe. Letztlich bleibt den Anwesenden noch genügend Zeit für Überlegungen bezüglich möglicher Standorte für neue Baumriesen, denn vorerst kommen die Baumgeschenke erst einmal für mindestens zwei bis fünf Jahre zurück ins Treibhaus der Baumschule, bis sie eine wetterfeste Größe erreicht haben.

Schöne Plakate von einheimischen Bäumen und Sträuchern kann man im Internet unter www.snu.rlp.de bestellen. Weitere Infos: www.jungeriesen.de

Nahe Zeitung vom Mittwoch, 10. Mai 2017, von Ilona Brombacher